Klettersteig Daubenhorn

31. August 2021
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Der Klettersteig am Daubenhorn ist der längste und einer der anspruchsvollsten der Schweiz. Er befindet sich oberhalb von Leukerbad und wird mit K5-K6 extrem schwierig bewertet. Während etwa 6 Stunden Aufstieg müssen 1100 Höhenmeter überwunden werden - meist senkrecht.

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Campingplatz von Leukerbad führte uns die Bahn auf den 2322m hohen Gemmipass. Mit uns in der Seilbahnkabine ist eine internationale Schar von Klettersteig-Fans. Ein kleiner Abstieg auf dem alten Gemmiweg führt zum Einstieg in den Klettersteig. Ab hier folgen wir den Stahlseilen, die uns sichern.

Leukerbad liegt schon weit unter uns.

Bald werden die ersten von vielen Leitern erreicht. Oft senkrecht, manchmal sogar leicht überhängend und meistens sehr lang, stellen sie eine ziemliche Herausforderung für die Armkraft dar.

Die Aussicht auf die Valliser Viertausender ist atemberaubend und das Wetter könnte kaum besser sein. Wir geniessen die Weite, das Gefühl von Freiheit und lauschen den spannenden Geschichten, die unser Bergführer zu erzählen hat.

Blick nach unten auf dem Klettersteig
Leukerbad wird immer kleiner.
Blick nach unten auf dem Klettersteig
Lange Leitern testen die Armkraft.

Manchmal dienen Eisenstifte als Tritthilfe, aber auch Felskontakt kommt nicht zu kurz. Viele Tritte müssen gesucht werden und ich werde oft an meine Tage im Militärdienst erinnert. Damals sind wir viel im Gotthard-Furka-Gebiet geklettert - aber nie so anspruchsvoll wie hier am Daubenhorn.

Klettersteig Daubenhorn
Eisenstifte helfen bei Traversen
Klettersteig Daubenhorn
Meist wird direkt auf Fels geklettert

Nach einer Passage mit Seilbrücke erreichen wir eine senkrechte Höhle, durch die manchmal sogar ein Wasserfall rauscht. Wir treffen sie ziemlich trocken an. Durch die Stille und die hallende Akustik fühlt man sich wie in einer Kathedrale und die Sonnenbrille muss in den Rucksack damit man die Tritte noch findet.

Höhle beim Daubenhorn-Klettersteig
Eine lange Höhle senkrecht wie ein Kamin
Daubenhorn-Klettersteig
Bald sind wir wieder an der Sonne
Via Konst
Fischaugen-Perspektive an der Via Konst

Nach vielen weiteren Höhenmetern erreichen wir die Via Konst, zweifelslos der Höhepunkt des Klettersteigs. Durch eine kurze und enge Höhle erreicht man ein schmales Felsband direkt über dem Abgrund. Das ist mit Abstand die 'luftigste' Passage, die ich je erlebt habe. Die Sinne bis zum Maximum angespannt, aber im vollen Genussmodus überwinden wir diese Passage.

Selbst die 360°-Kamera kann das Gefühl kaum einfangen. Wie auf einem 1000m hohen Balkon fühlt es sich an - aber aussen am Geländer!

Gleich danach geht es weiter bergauf, das Tempo etwas reduziert. Die Höhe und die Erschöpfung machen sich bemerkbar. Nach einer Traverse ist die letzte Leiter erkennbar. Eine Mischung aus Erleichterung und Wehmut stellt sich ein.

Die Leiter ist endlos lang und spätestens ab der Mitte helfen regelmässige Pausen, die Arme etwas zu entlasten.

Leitern am Daubenhorn
Die Abschluss-Leiter fordert die letzten Kraftreserven in den Armen.

Nach einem kleine Wegstück über Schotter und Geröll, haben wir endlich den Gipfel erreicht. Das Gipfelkreuz auf 2941 m.ü.M. steht direkt an der senkrechten Felswand.

Es weht ein eisiger Wind und wir machen uns bald auf den Abstieg über den Daubenhorngletscher und den Lämmerenboden zurück zur Bergstation der Gemmibahn.

Daubenhorn-Gipfel
Geschafft! Der Gipfel ist erreicht.
Daubenhorngletscher
Abstieg über den Daubenhorngletscher

Eins ist sicher: Diesen Klettersteig will ich nochmals machen. Nach dem Klettersteig ist vor dem Klettersteig.